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In der Nacht, wenn die Kamikaze-Drohnen über die Häuser fliegen, fühlt es sich manchmal an wie zu Beginn des Krieges. Als die Großstadt Charkiw massiv unter Beschuss stand.
Auch jetzt wieder: Ständiger Alarm, russische Raketen, die auf die Stadt zielen. Terror gegen die Zivilbevölkerung. Am Donnerstag starben alleine fünf Zivilisten, darunter drei Feuerwehrleute.
BILD-Reporter sind in Charkiw.
Strom funktioniert in weiten Teilen der Stadt nicht mehr, auch die U-Bahn ist immer wieder gestört, genauso wie Ampeln.
Die russische Armee traf gleich mehrere Kraftwerke in den vergangenen Wochen. So viele Ausfälle gab es selbst zu Kriegsbeginn nicht.
Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr brennt nach einem russischen Drohnen-Angriff in einem Wohnviertel in Charkiw
Charkiws Bürgermeister Ihor Terechow, den BILD zum Interview traf, sagt: „Charkiw braucht dringend Raketen- und Drohnen-Abwehr. Das Militär braucht Waffen, um die Ukraine zu verteidigen, um Charkiw zu verteidigen. Wir brauchen moderne Luftabwehr, um zivile Verluste zu verhindern.“
Besonders von deutschen Gepard-Panzern, IRIS T-Systemen und Patriot-Abwehrraketen hätte die ukrainische Regierung gerne mehr. Die deutsche Regierung hatte zuletzt versucht, Gepard-Panzer, die in andere Länder verkauft wurden, in die Ukraine zu bringen.
Experten warnen vor baldiger Großoffensive gegen Charkiw
Immer mehr Experten gehen davon aus, dass Russland versuchen könnte, im Frühjahr oder Sommer in einer Großoffensive erneut Charkiw mit Bodentruppen anzugreifen. Russland könnte bis zum Sommer die Truppenzahl im Vergleich zu Beginn des Krieges verdoppelt haben. Charkiw, das nur 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt liegt, galt schon lange als Ziel von Wladimir Putin.
Charkiws Bürgermeister antwortet auf die Frage, ob es einen erneuten russischen Angriff mit Bodentruppen geben könnte: „Charkiw ist und wird immer eine ukrainische Stadt sein!“
„Bisher bleiben die Menschen hier“
Zu den Angriffen auf die Energieanlagen sagte der Bürgermeister: „Am 22. März haben sie unsere gesamten Energieanlagen zerstört, den Transformator. Wir hatten überhaupt keinen Strom mehr. Auch das Wärmekraftwerk, das Charkiw mit Strom versorgt, wurde zerstört. Wir hatten einen vollständigen Blackout aber wir haben es hinbekommen, die Versorgung wieder herzustellen. Allerdings nicht im selben Umfang wie vor dem 22. März.“
Und weiter: „Die Situation ist sehr schwer. Es gibt nur stundenweise Strom nach einem festen Zeitplan. Hier geht es um Völkermord an den Menschen der Ukraine!“
Das zeigt das große Problem für die Ukrainer: Reparaturen im großen Umfang würden Monate dauern, gleichzeitig könnte die russische Armee immer wieder erneut mit Raketen zuschlagen.
Ein beschädigtes Wohngebäude in Charkiw nach einem russischen Angriff
Es ist die perfide Taktik Putins: Die Zivilbevölkerung terrorisieren, dafür zu sorgen, dass Städte unbewohnbar werden und die Menschen erneut flüchten.
Bislang bleiben viele Menschen noch in Charkiw.
Ihor Terechow: „ Es gibt Luftangriffe auf die Stadt und es leben etwa 1,3 Millionen Menschen in Charkiw. Aber wir sehen nicht, dass viele die Stadt verlassen. Natürlich beobachten sie die Situation ganz genau und die Herausforderungen werden schwieriger, die wir überwinden müssen, aber bisher bleiben die Menschen hier.“
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