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Chef-Bischof Bätzing diskutiert mit BILD-Reporter: Ein Gespräch über Hoffnung, die AfD und Frauen in der Kirche | Politik
01.04.2024 - Pazartesi 01:16
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Der Limburger Bischof Georg Bätzing (62) ist seit 2020 Chef der deutschen Bischöfe. Seit Kindertagen wollte der Organist aus dem Westerwald Pastor werden. 2016 wurde er Nachfolger von Protz-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (64). Beide kämpfen für den großen Umbau: Tebartz-van Elst konzentrierte sich auf die Luxus-Sanierung des Limburger Bischofshauses. Bätzing, ganz anders, will die Organisation der Kirche umbauen. Papst Franziskus witzelte schon in Richtung Bätzings Reformplänen: „Es gibt eine sehr gute evangelische Kirche in Deutschland. Wir brauchen nicht zwei.“ Im Talk mit BILD am SONNTAG in dem 800 Jahre alten Dom mit sieben Türmen erklärt der Gottesmann eindringlich den Sinn von Ostern.
BILD: Was ist der Kern des Osterfestes?
Bischof Georg Bätzing: „Kern des Osterfestes ist der Glaube an die Auferstehung, und das ist auch der Kern unseres ganzen christlichen Glaubens. Das hatte schon der heilige Paulus erkannt. Dieser hatte gesagt: Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist alles, was wir machen, sinnlos und hohl. (...) Das schönste Erlebnis ist für mich immer wieder die Osternacht. Man merkt den Wechsel vom Dunkel zum Licht, vom Hören zum Singen, von Texten, die über Befreiung reden und man spürt, dass eine Hoffnung wächst in diesem Übergang. Das ist für mich Ostern.“
Was ist diese Osterhoffnung genau?
Georg Bätzing: „Unser Leben endet nicht mit dem Tod, sondern es geht weiter. Eine ganze Ewigkeit ist es, die Gott uns gönnt, und deshalb müssen wir hier im Leben nicht alles erreichen, nicht alles zustande bringen, was möglich ist. Und: Wir dürfen hoffen, dass die, die hier zu Opfern geworden sind, die aus dem Leben gerissen werden, jetzt durch die unsäglichen Kriege oder den Terror, dass sie weiterleben dürfen, dass ihnen etwas geschenkt wird, was weitergeht, vor allem auch Gerechtigkeit für das, was ihnen angetan wurde.“
Oberster Katholik DeutschlandsBischof Bätzing im großen BILD-Interview
Bätzings Ton wird dabei innerlicher, aber auch entschiedener. Seine Worte scheinen aus dem Innersten seiner Überzeugung zu kommen. Klar wird, hier liegt der Glutkern seiner Theologie.
Am Ostermorgen kamen die Menschen zum Grab und das Grab war leer ...
Georg Bätzing: „Jesus musste in aller Schnelle und Stille begraben werden, weil das Pessach-Fest anfing und der Sabbat war, da darf man nichts tun. Sie kommen nach dem Sabbat frühmorgens, um Jesus noch mal zu salben, um Beerdigungsriten zu vollziehen, und der große Stein vor dem Grab ist weggerollt. Das Grab ist leer. Jesus lebt!“
Das steht für Bätzing fest.
Was ist Wahrheit?
Georg Bätzing: „Wahrheit für mich ist: Dieser Jesus ist der Weg meines Lebens. Dieser Jesus kann für alle der Weg zum Frieden sein. Dieser Jesus ist Gottes Versprechen an die Welt, dass es gut ausgeht. Das ist für mich die Wahrheit.“
Warum verlieren dennoch immer mehr Gläubige den Glauben an die Kirche?
Georg Bätzing: „Die Kirche hat in der Vergangenheit große Fehler gemacht und Glaubwürdigkeit eingebüßt. Der Missbrauch und der Umgang damit, die Vertuschung, das hat viele Menschen das Zutrauen genommen, dass die Kirche für sie Heimat sein kann. Viele Menschen erwarten Reformen von der Kirche und sehen diese nicht. Andere sind zufrieden mit dem eigenen Leben. Die Säkularität nimmt zu. Man freut sich auf den Urlaub, auf die nächst Party, auf Freizeit, auf die Rente. Gott verdunstet in unserer westlichen Gesellschaft. Die Menschen wenden sich von der Kirche und ihren Angeboten ab.“
Bätzing äußert seine Knallhart-Analyse völlig unaufgeregt. Die anstrengenden Verhandlungen der vergangenen Woche im Vatikan merkt man ihm nicht an.
Zuletzt stiftete Papst Franziskus (83) Verwirrung bei den Gläubigen. Stichwort: „Weiße Flagge“. Das Kirchenoberhaupt hatte sich klar erkennbar im Ukraine-Konflikt auf die Seite des Aggressors Russland gestellt. Sie mussten ihn zurückpfeifen ...
Georg Bätzing: „In seinen ausgearbeiteten Reden hat es Franziskus deutlich gemacht: Wer ist Aggressor? Das ist Russland! Wer ist das überfallene Land? Das ist die Ukraine. Aber es gab dieses Interview des Papstes, das viele irritiert hat. Mich auch. Das hat viele katholische Ukrainer sehr verstört und sehr irritiert. Man legte dem Papst das Stichwort weiße Flagge in den Mund und er hat es aufgenommen. Das war falsch. Was er sagen wollte war: Wann kommt die Zeit für Verhandlungen, damit man über den Krieg einmal hinausdenkt? Ich frage mich auch: Wie lange soll der Krieg weitergehen? Wie lange sollen jeden Tag Tausende Menschen sterben? In der Karwoche wieder die Angriffe auf Kiew, es ist unsäglich! Ich hätte mir gewünscht, dass der Papst Russland anspricht und sagt: Jetzt ist die Zeit für Verhandlungen und die Waffen schweigen zu lassen. Jeder Tag Krieg ist ein Tag zu viel. Die Ukraine muss bereit sein zu verhandeln, aber sie wird ihre Freiheit und Souveränität nicht aufgeben wollen. Die Ukraine verteidigt sich. Dieses Selbstverteidigungsrecht ist ein legitimes Recht, der Aggressor muss aufhören.“
Bischof Bätzing vs. Papst„Die Ukraine entscheidet, wann verhandelt wird“
Müssen nicht zuvor die besetzten Gebiete geräumt werden?
Georg Bätzing: „Die Ukraine hat jedes Recht, die Bedingungen für ein solches Gespräch zu setzen. Und sie hat auch jedes Recht, den Zeitpunkt zu wählen.“
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