Totaler Neu-Start bei den Hamburg Sea Devils. Nach den verpassten Play-offs in der European League of Football (ELF) blieb kaum ein Stein auf dem anderen.
Boss Max Paatz zog es nach Düsseldorf zu Meister Rhein Fire. Headcoach Yogi Jones (64) wurde gefeuert. Für ihn übernahm Ex-Quarterback Matt Johnson (36/früher Kiel Baltic Hurricanes). An seiner Seite ist NFL-Schlachtross Brandon Noble (50/spielte für die San Francisco 49ers, Dallas Cowboys und Washington Redskins) für die Defensive zuständig. Weil auch die halbe Mannschaft zur Konkurrenz abwanderte, stehen sie vor einer Mammut-Aufgabe.
Einer der Hoffnungs-Träger ist dabei Javarian Smith (27). Der athletische Ami (1,88 Meter, 88 Kilo) soll auf der Quarterback-Position nach zwei Jahren mit endlosem Hickhack wieder für Stabilität sorgen.
„Er ist zusammen mit Wide Receiver Jarvis McClam genau das, was wir gesucht haben“, sagt Johnson. „Sie bringen eine neue Dimension in unser Offensiv-Spiel.“
Dabei ist Smith Football-Spätstarter!
Erst mit 16 wechselte der Mann aus Michigan vom Basketball zum Football. Nach seiner College-Zeit legte Corona die Welt lahm. „Aber ich hatte das Gefühl, in mir steckt noch eine Menge Football“, sagt Smith. „Also habe ich weiter trainiert und mich bei einem Internet-Portal, über das sich Spieler in Europa anbieten können, eingetragen.“
Javarian Smith: Spätstarter ist Sea-Devils-Hoffnung
So landete er 2022 in Prag und wurde nach der Saison zum MVP gewählt. „Es war surreal, nach Europa zu kommen“, erinnert sich Smith. „Man wächst in den Staaten auf und liest all die Bücher, lernt über die Geschichte, aber sieht es nie mit eigenen Augen. Und dann bist du plötzlich hier. Es fühlte sich an wie in einem Film. Ich versuche, mich dem europäischen Lebensstil anzupassen. Ich möchte mich gut ernähren, gehe viele Lebensmittel einkaufen. Und ich mag Bäckereien. Das ist in den USA nicht so eine große Sache.“
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Quelle: NASCAR22.05.2024
Vergangene Saison glänzte der Hobby-Golfer in der Bundesliga (GFL) bei den Allgäu Comets in Kempten (44 Touchdown-Pässe) und bot sich im Anschluss bei allen ELF-Teams an. Denn: „Mein Ziel mit Football ist, auf dem höchstmöglichen Level zu spielen. Ich nehme das extrem ernst. Ich würde sonst nicht dafür die Zeit opfern, weg von meiner Familie zu sein.“
Tatsächlich wirkt Smith bei der unermüdlichen Arbeit auf dem Trainingsgelände der Hamburg Blue Devils bisweilen wie ein Duracell-Hase auf Energy-Drink. Smith lacht: „Ich bringe eine bestimmte Menge Energie mit, setzte auch im Training einen Standard.“
Den totalen Neu-Start sieht er daher als Chance: „Wir können frisch und neu anfangen. Neue Trainer, neue Spieler, neue Techniken. Es fühlt sich an wie frischer Luftzug. Man kann die alten Egos vor der Tür abgeben. Alles was war, ist egal. Wir können umblättern und auf einer neuen Seite beginnen.“ Das Ziel? Die Antwort ist typisch für Football-Profis: „Als Team hast du jedes Jahr das Ziel, die Meisterschaft zu gewinnen.“
Los geht's für die Sea Devils Sonntag bei den Prag Lions (14.30 Uhr). Smith: „In der Stadt, wo meine Reise begann. Ein Kreis schließt sich.“