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Wenn Luciano Spalletti eine ernste Miene zieht, kann einem mulmig werden. Zumindest, wenn man den Film „Der Pate“ zu oft gesehen hat. Italiens Nationaltrainer kann wütend werden, so wie nach dem Spiel gegen Kroatien (1:1), als ihm eine Frage eines italienischen Journalisten nicht passte. Ein Aufreger dieser Europameisterschaft.
Italiens Chef-Trainer Luciano Spalletti
Diese Umarmung bewegt ganz Italien
Dass Spalletti aber auch eine sehr einfühlsame Seite hat, bewies er im Vorfeld der Partie gegen die Kroaten. Am Tag vor dem Spiel fingen Kameras ein, wie der italienische Trainer während des Abschlusstrainings seiner Mannschaft in der Leipziger Arena auf einen älteren Herren am Spielfeldrand zuging. Dann umarmten sich die beiden Männer sekundenlang innig. Spalletti flüsterte ein paar Worte in das Ohr seines sichtlich ergriffenen Gegenübers und gab ihm zum Abschied ein Küsschen auf die Wange.
Schöne Szenen vor dem Spiel
Bei dem Mann, der sich anschließend gerührt auf der Werbebande abstützte, handelt es sich im Marco Nosotti. Den Sky-Korrespondenten hatte in der ersten Woche der EM ein tragisches Schicksal ereilt. Wie italienische Medien berichten, starb am Tag des Spiels der Italiener gegen Spanien Nosottis Ehefrau Silvia nach schwerer Krankheit. Die beiden waren 28 Jahre verheiratet. Der Reporter eilte daraufhin in die Heimat und kehrte gerade zum Gruppenspiel gegen Kroatien nach Deutschland zurück. Als Spalletti vom Tod erfuhr und Nosotti in der Leipziger Arena sah, kam es zur feinen Geste des Nationaltrainers.
Spalletti tröstet italienischen Journalisten!
Nach dem emotionalen 1:1 gegen die Kroaten und dem Einzug ins Achtelfinale, erzählte Nosotti in der Mixed Zone des Stadions die Geschichte hinter der Umarmung mit Spalletti. „Spalletti hatte mir vor dem Turnier gesagt, dass wir gemeinsam vorankommen würden. Er meinte: ‚Ich mit meinem Team und du mit deiner Frau‘“, so der Reporter im Gespräch mit dem spanischen Sport-Medium „Relevo“. Spalletti, mit dem er bereits lange befreundet sei, habe damals gewusst, dass seine Ehefrau schwer erkrankt sei, so Nosotti
Gänsehaut-MomentDie irrsten 31 Sekunden dieser EM
Doch der gemeinsame Weg der Nosottis endete während der EM. „Meine Frau ist am Morgen des Spiels gegen Spanien gestorben“, berichtete er. Nach dem dramatischen Punktgewinn gegen Kroatien, der für Italien zum Weiterkommen reichte, habe Spalletti ihm gesagt: „Sehen Sie? Silvia hat uns am Ende Kraft gegeben, weiter voranzukommen.“
Nosotti schloss das Interview mit den Worten: „Wir sind kein Journalist und kein Trainer, wir sind bloß zwei Menschen.“
*Dieser Artikel entstand im Sport-Kompetenzcenter (SPORT BILD, BILD, WELT) und ist zuerst bei WELT erschienen.
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