Erst gepredigt, dann gelöscht: Erzbischof attackierte Brosius-Gersdorf – jetzt rudert er zurück | Politik

17.07.2025 - Perşembe 17:18

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In einer Predigt polterte der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl gegen die designierte Verfassungsrichterin Frauke Brosius-Gersdorf – wegen ihrer Haltung zu Abtreibungen. Jetzt, nach einem Telefonat mit der Juristin, gibt er zu: ein Fehler!

Nach dem persönlichen Telefonat mit der von der SPD nominierten Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht gesteht Gössl laut Mitteilung des Erzbistums ein, „über ihre Position zum Thema Lebensschutz falsch informiert“ gewesen zu sein. Das klärende Gespräch sei von „gegenseitigem Respekt geprägt“ gewesen, schreibt er in einer Mitteilung. Seine Attacke sei ein Irrtum.

► In seiner Predigt hatte Gössl die Juristin Brosius-Gersdorf zwar nicht namentlich erwähnt, aber bezogen auf ihre Nominierung von einem „innenpolitischen Skandal“ gesprochen. Zudem sagte er, die Richterin bestreite das Lebensrecht ungeborener Kinder – jetzt bereut er seine Worte „nachdrücklich“.

Frauke Brosius-Gersdorf (54) am Dienstag bei Markus Lanz

Frauke Brosius-Gersdorf (54) am Dienstag bei Markus Lanz

Foto: IMAGO/teutopress

Predigt-Clip aus Netz verschwunden

Brosius-Gersdorf habe klargestellt, dass sie sich „immer schon für den Schutz des ungeborenen Lebens eingesetzt hat und das auch heute noch tut.“ Trotzdem betont Gössl: „Es darf keinen abgestuften Lebensschutz geben.“

Dennoch: Nach dem klärenden Telefonat verschwand das Predigt-Video aus dem Netz. Auf dem YouTube-Kanal des Bistums war es am Donnerstagnachmittag nicht mehr zu finden.

Auch der Vorsitzende der Bischofskonferenz Georg Bätzing (64, Limburg) nimmt Brosius-Gersdorf in der „Augsburger Allgemeinen“ nun in Schutz: „Diese Frau hat es nicht verdient, so beschädigt zu werden.“ Er warnt: „Wir können diesen Kulturkampf nicht gebrauchen.“

SPD wirft Union „Heuchelei“ vor

► Unterstützung kommt auch vom früheren Ethikrat-Vorsitzenden Peter Dabrock (60). Im Deutschlandfunk sagte er, bei Schwangerschaftskonflikten gehe es um „höchst komplexe Debatten“. Brosius-Gersdorf habe auf diese Komplexität hingewiesen. Ihre Haltung sei „im Diskurs eine normale Position“. Dass sie nun „so diskreditiert ist, das ist eigentlich das Problem“.

► Die Bundestagsabgeordneten Helge Lindh (48, SPD) und Sebastian Roloff (42, SPD) warfen der Union im „Spiegel“ Heuchelei vor: „Der Fall Brosius-Gersdorf ist ein Beispiel für selektiven Umgang mit kirchlicher Einmischung.“ Noch im Frühjahr habe sich Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (52, CDU) gegen kirchliche Kritik an der Migrationspolitik verwahrt – jetzt berufe man sich plötzlich gerne auf die Bischöfe.

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