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Expertin warnt vor Syrien-Islamisten: „Einmal radikal, immer radikal“ | Politik

Expertin warnt vor Syrien-Islamisten: „Einmal radikal, immer radikal“ | Politik
Okundu
12 Aralık 2024 - 12:59

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Das barbarische Assad-Regime wurde gestürzt, in Syrien übernehmen die Rebellen die Macht. Angeführt von Mohammed al-Dscholani (42), Chef der Islamisten-Gruppe „Haiat Tahrir al-Scham“ (HTS). Obwohl sie als Terror-Organisation eingestuft ist, gibt sich ihr Chef geläutert. Er verspricht, Minderheiten zu schützen, aus Syrien ein freies Land zu machen. Wie glaubwürdig ist das?

▶︎ BILD sprach mit der ägyptischen Islamismus-Expertin Dalia Ziada (42). Sie half dabei, 2011 das Mubarak-Regime in Ägypten zu stürzen, wurde als eine der mutigsten Frauen in Nahost ausgezeichnet. Weil sie es wagte, die Hamas-Terroristen zu kritisieren, musste sie aus ihrer Heimat fliehen. Sie freut sich über den Sturz Assads, warnt aber vor Naivität gegenüber Islamisten.

„Einmal radikal, immer radikal“

Syrer weltweit feiern den Sturz von Assad. Doch was erwartet Syrien mit den neuen Machthabern?

„Das Assad-Regime war sehr, sehr schlecht, sodass jeder neben ihm gut dasteht, sogar ein Terrorist wie al-Dscholani“, sagt Ziada. Sie warnt davor, Hoffnungen in das neue Regime zu setzen. Als freiheitsliebende Syrer gegen Assad aufstanden, „war er bei al-Qaida“, erinnert Ziada. „Das ist eine Terror-Organisation, die gegen die Werte kämpfte, für die die Revolution eintrat. Gegen Demokratie und Menschenrechte.“

Ist es möglich, dass al-Dscholani sich geändert hat? Schließlich kämpfte seine Gruppierung GEGEN die IS-Miliz.

„Einmal radikal, immer radikal“, sagt Ziada. „Ich glaube nicht, dass er sich weiterentwickelt oder geändert hat. Er führt jetzt eine Terror-Organisation an. Und er hat al-Qaida nicht verlassen, weil er mit der Ideologie von al-Qaida nicht einverstanden ist. Er hat auch nicht gegen den IS in Syrien gekämpft, weil er nicht mit der IS-Ideologie einverstanden ist. Im Gegenteil, er teilt völlig dieselbe Ideologie. Er hat gegen diese Gruppen gekämpft, weil sie seine Interessen oder die Macht seiner eigenen Gruppe bedrohten.“

Mohammed al-Dscholani ist Anführer der Islamisten-Gruppe HTS

Mohammed al-Dscholani ist Anführer der Islamisten-Gruppe HTS

Foto: AREF TAMMAWI/AFP

„Diese Terrororganisationen werden sich nicht ändern“

Dennoch spricht al-Dscholani davon, Institutionen aufzubauen und alle in Syrien lebenden Gruppen (z.B. Christen, Kurden) zu achten. Ist das glaubwürdig?

„Er versucht, den Politiker zu spielen“, sagt Ziada. Sie empfiehlt, seinen Kämpfern und Anhängern zuzuhören. Diese „wiederholen nur dieselbe gefährliche Rhetorik“ anderer Terror-Organisationen. Dazu zählten „Hassreden gegenüber religiösen Minderheiten wie den Christen in Syrien und die Diskriminierung von Frauen“ sowie der Kampf gegen Israel und Juden.

Die Expertin fühlt sich an die Machtübernahmen der Mullahs im Iran (1979) und der Taliban in Afghanistan (2021) erinnert. Beide Male wurden Freiheit und Menschenrechte versprochen – und dann neue Diktaturen geschaffen. „Es ist furchtbar“, sagt Ziada. „Diese Terror-Organisationen werden sich nicht ändern. HTS ist eine Terror-Organisation. Das sollten wir nie vergessen.“

HTS wird zugestanden, Syrien von Diktator al-Assad befreit zu haben. Ist das nicht etwas Gutes?

„Sie haben Syrien nicht befreit“, sagt Ziada. „Israel ist hart gegen die Hisbollah vorgegangen, auch in Syrien“. Dies habe „eine Lücke geschaffen, die Assad schutzlos dastehen ließ.“ Gruppen wie HTS hätten dies genutzt, um sehr schnell zu handeln. „Ja, sie beanspruchen den Sieg, aber das ist nicht der Fall.“

Jetzt sind weitere Revolutionen möglich

Israel steht in der Kritik, weil es Hunderte Luftangriffe in Syrien durchgeführt hat, um Assads Waffen zu zerstören. War das eine Eskalation?

„Aus völkerrechtlicher Sicht ist es natürlich eine Verletzung der Souveränität Syriens, keine Frage“, sagt Ziada. Doch Israel habe sichergestellt, „dass diese dschihadistische Organisation“ Assads Waffen nicht gegen Israel einsetzt. „Wir können also sagen, dass Israel eine präventive Maßnahme ergreift, um einen späteren Krieg mit dieser dschihadistischen Organisation zu vermeiden.“

Nach dem Sturz des syrischen Regimes übernehmen Rebellen die Macht

Nach dem Sturz des syrischen Regimes übernehmen Rebellen die Macht

Foto: AP

Welche Folgen werden der Sturz Assads und die Machtübernahme des HTS für die Region haben?

Ziada sieht alle arabischen Länder, von denen die meisten von unbeliebten Diktatoren regiert werden, als „anfällig“ für das Syrien-Szenario. Der Erfolg der Dschihadisten könnte andere Gruppierungen inspirieren, gegen ihre Herrscher in den Kampf zu ziehen.

Zudem hätten sich arabische Machthaber selbst geschwächt, indem sie nach dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 die Hamas unterstützten. Um von ihren eigenen Fehlern abzulenken, lenkten sie die Wut ihrer Völker auf Israel. „Ich befürchte, dass sich das jetzt gegen sie wendet. Denn sie haben die radikalen Gruppen gestärkt, die tatsächlich eine Bedrohung für sie darstellen“, sagt Ziada. Vom Erfolg der HTS in Syrien inspiriert, könnten sie bald losschlagen.

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