Extremer Lehrermangel: Der Kampf der Schulen um bessere Bildung | Politik

23.08.2025 - Cumartesi 11:23

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Berlin – In vielen Bundesländern sind die Ferien vorbei. Doch überall fehlen Lehrer. Folge: Laut Deutschem Schulbarometer geben 42 % aller Schüler an, dass ein bis zwei Stunden pro Woche ausfallen!

Die Knappheit kommt zur Unzeit! Beispiel: Fast jeder fünfte Viertklässler kann nicht mehr richtig lesen (Bildungsbericht Leibniz-Institut 2024).

So krass ist der Mangel

▶︎ In Berlin sind laut BILD-Abfrage rund 320 Stellen unbesetzt, Sachsen-Anhalt sucht 230 Lehrer, Mecklenburg-Vorpommern 430, Sachsen rund 1000 und in NRW fehlen sogar 7000.

Wird es besser? Nein! Laut Prognose der Bildungsministerkonferenz fehlen bis 2035 sogar 50.000 Lehrer! Die Gegenmaßnahmen der Länder – teils hochumstritten!

Immer mehr Quereinsteiger

▶︎ Im Schuljahr 2023/24 war laut Statistischem Bundesamt jede 10. Lehrkraft (10,5 Prozent) Quereinsteiger. Heißt: Keine klassische Lehramtsausbildung.

Das sei nötig, „um den Lehrbetrieb an den Schulen überhaupt aufrechtzuerhalten“, so die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Prof. Dr. Olaf Köller, Co-Vorsitzender der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz warnt: „Die Gesamtverantwortung für die Gestaltung der Lernprozesse und die Beurteilung muss in allen Fällen bei einer erfahrenen Lehrkraft liegen.“

Prof. Olaf Köller vom Leibniz-Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Uni Kiel

Prof. Olaf Köller vom Leibniz-Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Uni Kiel

Foto: IPN/Davids/Sven Darmer

Leider Fakt: Viele Quereinsteiger schmeißen wieder hin, alleine in Sachsen waren es von 2018 bis 2024 jeder Dritte.

Kürzere Vorbereitungszeiten für Referendare

▶︎ In den meisten Bundesländern dauert das Referendariat 24 Monate. Berlin, Sachsen und Thüringen haben auf 18 Monate verkürzt. Sachsen-Anhalt sogar auf 16 Monate.

Lehrerpräsident Stefan Düll: „Es droht schleichender Qualitätsabbau im Unterricht, irgendwann hat jeder nur ein Schmalspur-Referendariat.“

Stefan Düll (60) ist seit 2023 Präsident des Deutschen Lehrerverbands und Schulleiter am Justus-von-Liebig-Gymnasium Neusäß

Stefan Düll (60) ist seit 2023 Präsident des Deutschen Lehrerverbands und Schulleiter am Justus-von-Liebig-Gymnasium Neusäß

Foto: picture alliance/dpa

Senioren zurück an die Tafel

▶︎ Mehrere Bundesländer haben Anreize geschaffen, Lehrer länger im Beruf zu halten – oder zurückzuholen. Wie in Brandenburg. Mehr als 100 Pädagogen sind so aus dem Ruhestand zurück (Stand: Dezember 2024).

Pflicht-Stationen an unbeliebten Standorten

▶︎ Beispiel Niedersachsen: Job-Ausschreibungen an beliebten Standorten werden mit verpflichtenden, befristeten Abordnungen an weniger populäre Schulorte verbunden. Die Hoffnung: Die Lehrer könnten dort „kleben bleiben“.

Düll mahnt: „Mit dieser Personalpolitik verliert man eher gute Leute. Die gehen z. B. zu privaten Schulträgern.“

Praxis-Tage außerhalb der Schule

▶︎ Beispiel Sachsen-Anhalt: Dort stehen ab August 2026 „Praxislerntage“ im Schulgesetz. Die Schüler lernen die Arbeitswelt kennen – an einem Unterrichtstag pro Woche im 14-tägigen Rhythmus für 8. und 9. Klassen!

Düll: „Eine Maßnahme, um den Lehrerbedarf zu senken.“

Hamburgs Ex-Schulsenator Ties Rabe (64, war fast 14 Jahre im Amt) schimpft: „Organisierter Unterrichtsausfall! Wir brauchen mehr Stunden in Kernbereichen wie Mathe, Lesen oder Schreiben.“

Und Köller sagt: „Schüler mit geringem Vorwissen und weniger Lerndisziplin und Ausdauer haben Schwierigkeiten beim selbstregulierten Lernen.“

Eine junge Lehrerin schreibt an einer Schultafel

Eine junge Lehrerin schreibt an einer Schultafel

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Mehr Pflicht-Unterrichtsstunden

▶︎ Beispiel Brandenburg: Hier müssen Lehrer ab Februar 2026 eine Unterrichtsstunde pro Woche mehr unterrichten. So können mehr Stunden unterrichtet werden – mit der gleichen Anzahl Lehrer.

Düll warnt vor „brutaler Arbeitszeitverdichtung, zulasten der Gesundheit der Lehrer und der Qualität der Bildung“.

Und er sagt sogar: „Fertig ausgebildete Referendare werden in Brandenburg aktuell nicht eingestellt. Da es auf dem Papier durch die Erhöhung der Pflichtstunden keinen Lehrermangel gibt. Eine klare Trickserei!“

Anders sieht es Bildungsexperte Köller: „Das ist genau der Schritt, den wir in Zeiten von Lehrkräftemangel gehen müssen.“

Und Rabe fordert: „Wir müssen die Abbrecherquote bei den Studenten senken!“

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