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Lanz-Talk am Abend nach dem historischen Kanzler-Krimi im Bundestag. Wie konnte es passieren, dass Friedrich Merz (69, CDU) im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl durchfällt? Wieso schien niemand darauf vorbereitet? Und: Wer waren die Verräter?
CDU-General Carsten Linnemann (47) ist zugeschaltet, sagt: „Das war aufregend. Ich bin fertig, da bin ich offen und ehrlich, weil ich damit nicht gerechnet habe. Ich kann mir vorstellen, dass manche zum Ausdruck bringen wollten, dass sie enttäuscht sind.“
Bei Union oder SPD?, fragt Lanz. Linnemann geht nicht sofort auf das Schwarze-Peter-Spiel ein. „Das ist Kaffeesatzleserei, das wird sich niemals auflösen“, sagt er, relativiert dann aber doch: „Ich würde sagen, wir waren geschlossen“. Man könne aber nicht sicher wissen, ob alle in der Fraktion immer ehrlich mitklatschen.
Die brisante Zahl des Abends
FAZ-Redakteur Justus Bender (44) hatte im März unter SPD-Abgeordneten gefragt, wer gegen Merz stimmen würde, und wurde bei rund 15 Leuten fündig. Und bei der Wahl von Lars Klingbeil zum Fraktionschef hatten genau 18 SPD-Abgeordnete gegen ihn gestimmt – genauso viele Stimmen, wie Merz am Dienstag im ersten Wahlgang gefehlt hatten.
Das beweise noch nichts, betont er in der Lanz-Runde – aber jeder sieht darin ein verdächtiges Indiz dafür, woher der Denkzettel für schwarz-rot gekommen sein könnte.
Widerspruch des Abends
Nur eine nicht: Katarina Barley (56), SPD-Vorstand und EU-Abgeordnete. Es wäre absurd, etwas in diese Zahlen hinein zu interpretieren, sagt sie. Will heißen: Es gibt überhaupt keinen Anhaltspunkt darüber, dass die Abweichler in der SPD zu finden sind.
ABER: Zuvor hatte sie mehrfach betont und begründet, warum SPD-Leute Friedrich Merz misstrauten. Nämlich wegen der Bundestagsabstimmung über die Asyl-Wende vor der Bundestagswahl, bei der die AfD mit der Union gestimmt hatte. Auch Journalistin Kristina Dunz (58, RND) findet, Merz fehle das Gespür für die Koalition, und verweist dafür auf die Abstimmung Ende Januar. „Als die Union mit der AfD abgestimmt hat, war das für die SPD ein absoluter Tabubruch.“
Machte Merz weiter die AfD-Vorwürfe von vor der Bundestagswahl: Europa-Politikerin Katarina Barley
Stichelei des Abends
Barley, fast hämisch: „Mein Moment des Tages war, Jens Spahn mit Heidi Reichinnek verhandeln zu sehen.“ Für sie sei „einer der wenigen positiven Vorfälle“ des Tages gewesen, dass die Union „von ihrem Pferd runtergestiegen ist“, nämlich: dass sie ihren Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linken aufgegeben habe.
Über dieses Bild von CDU-Fraktionschef Jens Spahn mit Linken-Amtskollegin Heidi Reichinnek freute sich Katarina Barley diebisch
Linnemanns Verteidigungslinie: Der Beschluss gilt weiter („es gibt immer noch linksextremistische Strömungen innerhalb der Linkspartei“), aber nicht unbedingt bei Verfahrensfragen …
Lanz bohrt Linnemann
Eine der Anekdoten des Tages über Königsmacher Alexander Dobrindt (54, CSU) lautete, dass in der Union nur er eine Telefonnummer der Linken-Fraktion parat gehabt habe, um mit ihr über einen zweiten Wahlgang noch am Dienstag zu sprechen. „Table Media“-Chef Michael Bröcker hatte das getwittert, relativiert bei Lanz aber: „Ob das wirklich so stimmt, weiß ich nicht.“
Lanz fragt also Linnemann direkt, ob er die Nummer eines Linken-Politikers habe. Der sagt: „Nein. Dietmar Bartsch, habe ich gehört, dass er gut Skat spielen kann, aber ich habe die Handynummer von ihm, äh, nicht.“ Lanz bohrt weiter, fragt, ob er „von keinem relevanten Menschen der Linkspartei“ eine Nummer habe. Linnemann nochmal: „Nein – aber darum geht’s doch heute nicht!“
Kristina Dunz (Redaktionsnetzwerk Deutschland) und AfD-Experte Justus Bender von der FAZ (r.)
Der fiese Lanz-Moment
Der CDU-General verspricht eine glänzende Merz-Kanzlerschaft: „Sie werden morgen merken, dass eine neue Zeit beginnt, Herr Lanz!“ Merz werde keine klassischen „Eröffnungsbesuche“ in Paris und Warschau abstatten, sondern die Zusammenarbeit mit Macron und Tusk laufe schon längst. „Europa wartet auf Deutschland!“ Merz werde „ein erfolgreicher Kanzler, der viele überraschen wird, einer der erfolgreichsten!“
Wenig später greift Lanz diese Schwärmerei auf: „Sehen Sie es mir nach, aber Ihre Rede eben, die sollte euphorisch klingen, die sollte nach Aufbruch klingen, aber sie passt so gar nicht zu dem Gesicht, das Sie dabei gemacht haben. Sie wirken ein bisschen geknickt! Sie wirken schon die ganze Zeit geknickt, und das hat damit zu tun, dass Sie sich was anderes gewünscht haben.“
Lächeln in der Runde über diese fiese Attacke. Aber Lanz macht weiter: „Wie groß ist Ihr Frust, wie groß ist Ihre Enttäuschung?“ Linnemanns lange Antwort, in der er auch auf seinen Verzicht auf ein Ministeramt eingeht, endet mit dem Versprechen, in 100 Tagen wieder in die Sendung zu kommen, um eine erste Merz-Bilanz zu ziehen.
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