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Vizepräsidentin Kamala Harris (59) gab dem Sender CNN das erste große Interview seit der Übernahme der Demokraten-Kandidatur von Präsident Joe Biden (81). Dass sie die Medien so lange ignorierte, hatte Rivale Donald Trump (R, 78) schon eiskalt ausgenutzt. Dass ihr Vizekandidat Tim Walz (60) bei dem Termin in Savannah (US-Bundesstaat Georgia) beistand, provozierte Unkenrufe über einen „Babysitter“. Oft kam er nicht zu Wort.
Wenigstens: Der lange Trommelwirbel zur Frage-Antwort-Session mit CNN-Veteranin Dana Bash (53) sorgte für Quoten und Aufmerksamkeit! Die normale Praxis der Interaktion mit Reportern wurde zur Sensation hochstilisiert. Dabei geriet die Optik leicht in Schieflage: Harris saß auf einem niedrigen Sessel, Walz überragte sie.
Was würde Harris am ersten Tag im Oval Office tun? Die Demokratin sprach schwammig von der „Stärkung der Mittelklasse“, einem „neuen Weg nach vorn“, voller „Hoffnung und Optimismus“. Doch angesprochen, dass die Preise unter Trump niedriger waren, wich sie mit angesprochenen Errungenschaften der „transformativen“ Biden-Präsidentschaft aus. Immerhin: Als Geste der Überparteilichkeit könne sie sich vorstellen, einen Republikaner in ihr Kabinettsmitglied zu holen.
Nachgehakt wurde, warum sie bei Wahlkampf-Top-Themen wie Einwanderungs-, Gesundheits- und Energiepolitik zuletzt in die politische Mitte grätschte. Als Senatorin hatte sie noch ein Verbot für Benzin-Autos bis 2035 verlangt. Oder die Entkriminalisierung illegaler Grenzübertritte gefordert. Harris jetzt: „Gesetze müssen eingehalten werden!“ Auch die von Umweltschützern kritisierte „Fracking“-Technik zur Gasförderung unterstützt sie heute.
Donald Trump geht für die Republikaner ins Rennen um die Präsidentschaft
Ob ihr Wähler nach diesem Zickzack trauen können, fragte Bash: „Meine Werte sind die Gleichen“, konterte sie. Also zumindest im Kern. Klima-Ziele seien einzuhalten. Und als Ex-Staatsanwältin in Kalifornien habe sie grenzüberschreitenden Kartellen das Handwerk gelegt.
In Sachen Nahost unterstrich Harris Israels Recht auf Selbstverteidigung, doch klagte auch an: Zu viele Palästinenser seien umgekommen! Ein Kurswechsel zu Biden sei aber nicht zu erwarten.
Persönlich wurde es, als sie über den Anruf erzählte, als ihr Biden am 21. Juli die Kandidatur übergab. Es war ein Sonntag, es gab Pfannkuchen, sie setzte mit ihren kleinen Nichten ein Puzzle zusammen. „Das Telefon klingelte, er sagte, was er vorhat!“ Sie: „Bist du sicher?“
Die jüngsten Angriffe von Trump zur Identität der Kandidatin mit jamaikanischer und indischer Herkunft wollte sie – sichtlich indigniert – lieber aussitzen: „Es ist sein altes Spiel, nächste Frage!“ Apropos Trump: Sie gab an, dass sie ihn bisher noch nie getroffen hat.
Am 10. September hat sie beim geplanten TV-Duell die Chance.
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