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Sie sitzt vor dem Spiegel, greift nach ihrem dichten, schwarzen Haar und flechtet es zum typischen, etwas biederen Zopf. Es dauert zehn Minuten, bis sich die Privatperson Sahra in die Politfigur Wagenknecht (55, BSW) verwandelt.
Die Szene eröffnet die zweite Folge der Doku-Reihe „Inside Bündnis Wagenknecht“, die jetzt in der ZDF-Mediathek verfügbar ist. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wer ist diese Frau, die einer Partei vorsteht, die nach ihr benannt ist? Und: Wie viel davon ist echt, wie viel inszeniert?
Die Frisur wird noch zurechtgerückt, dann kann es losgehen: Wagenknecht so privat wie nie in der ZDF-Doku
Bereits in der ersten Folge betont Wagenknecht fast trotzig: „Wir sind keine Truppe, die von einem Milliardär im Rücken finanziert wird.“ Doch knapp ein Jahr später wissen wir: Eine Millionenspende eines Ehepaars aus Mecklenburg-Vorpommern, die kurz im Film erwähnt wird, kratzt an dieser Darstellung.
Das Thema Frieden ist für Wagenknecht kriegsentscheidend
Die Doku zeigt unmissverständlich, wer ihre Wähler sind: Menschen, die sich abgehängt fühlen. Eine Frau sagt: „Mit Politik habe ich mich bisher nicht beschäftigt, aber Sahra Wagenknecht interessiert mich als Person.“ Eine andere: „Wenn diese Partei nicht gekommen wäre, hätte ich zum ersten Mal nicht gewählt.“ Sie alle eint ein Thema: der Wunsch nach „Frieden“.
▶︎ Im Film wird deutlich: Es sind besonders diese plakativen Wahlkampf-Lockrufe nach „Krieg oder Frieden?“, die die Wähler anziehen. Dass Wagenknecht für diese Parolen oft als „Putins Stimme in Deutschland“ bezeichnet wird, will sie auch in der Doku nicht hören. Auch nicht von möglichen neuen Wählern, die ihre Haltung zum Ukraine-Krieg kritisch sehen.
Bei einem Talk vor der „gehobenen Mittelschicht“ Düsseldorfs, wie es im Film heißt (die Tickets kosteten stolze 150 Euro), erklärt sie unverblümt: „Wer heute noch davon träumt, dass die Ukraine die Krim zurückbekommt, träumt. Das ist doch eine reine Moralpolitik, das wird nie stattfinden.“
Kretschmer: „Die Temperatur sank um fünf Grad, wenn sie den Raum betreten hat“
Und jetzt als seriöser Koalitionspartner in Landesregierungen? Der Film zeigt den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU), wie er im Mai bei Caren Miosga sagte, er könne sich eine Koalition mit Wagenknechts Partei nicht vorstellen – die Atmosphäre kühle regelrecht ab, sobald sie den Raum betrat. Aktuell führt er Koalitionsgespräche mit dem BSW.
Europa hat gewählt: Oskar Lafontaine (l.), Klaus Ernst (M.) und Sahra Wagenknecht (r.) auf dem Weg zur BSW-Wahlparty
▶︎ Schriftstellerin Anne Rabe bringt es auf den Punkt: „Sie war nie in Regierungsverantwortung, das ist ihr Vorteil. Man kann ihr keine Fehler vorwerfen. Sie hatte noch keine Gelegenheit, welche zu machen.“
Die fünfteilige Doku „Inside Bündnis Wagenknecht“ ist ab sofort in der ZDF-Mediathek verfügbar.
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Apsny News


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