Schulhof-Debatte bei Markus Lanz: Wie eine Lehrerin Schimpfwörter stoppt | Politik

22.10.2025 - Çarşamba 05:22

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Eigentlich ist es ganz einfach. Barbara Mächtle, Rektorin einer Grundschule in Ludwigshafen, hat bei Markus Lanz (56) berichtet, mit welcher unspektakulären, aber wirksamen Methode sie ihre Kinder bei Beleidigungen und Beschimpfungen wie etwa „Hurens**n“ ausbremst.

Ihr Erfolgsrezept: „Schon als Grundschule müssen wir agieren und sagen. Du, hör mal, weißt du eigentlich, was du eben gesagt hast? Ich kläre regelmäßig Schüler bei mir im Büro auf, was eine Hure ist, was dadurch auch ein Hurens**n ist, was ein Wichser ist, was Fi... bedeutet. Das volle Programm.“

Denn, so die Pädagogin: „Zuhause, je nach Elternhaus, werden die Kinder nicht aufgeklärt. Ich sage: Wenn du solche Schimpfwörter gebrauchst, dann weißt du bitteschön auch, was sie bedeuten! Der positive Effekt: Die Kinder sind teilweise schockiert, mit was sie da um sich werfen.“

„Eltern an manchen Stellen hilflos“

Folge, so Mächtle weiter: „Wenn ich sage: Überleg' dir das mal, das wird jetzt zu deiner Schwester oder deinem Bruder gesagt, dann fällt die Kinnlade runter: Oh Gott! Das wirkt tatsächlich, und in den meisten Fällen hat man damit Erfolg, dass die Kinder diese Wörter nicht mehr benutzen und im besten Fall sogar noch ihre Klassenkameraden darauf aufmerksam machen, was sie da jetzt eigentlich von sich geben.“

Schulleiter Engin Çatik (39) aus Berlin: „Wir müssen diese Kinder retten. Das funktioniert aber nur, wenn wir ihnen Grenzen setzen, die ihre Familien ihnen möglicherweise nicht mehr setzen können. Die Eltern sind an manchen Stellen hilflos. Das ist meistens armutsbelastetes Milieu. In manchen Fällen koppelt sich das mit migrantischem Milieu.“

In Mächtles Schule haben 97 Prozent einen Migrationshintergrund. Die Rektorin: „Ich habe viele Kinder, die haben zu Hause kein Buch. Ich habe Kinder, die sind in Ludwigshafen geboren und sprechen dennoch kein Deutsch, weil die in so einer Blase aufwachsen: Die Familiensprache ist nicht Deutsch, in den Kitas wird kein Deutsch gesprochen und in der Schule geht es so weiter.“

Mächtles Problem: „Die Vielfalt der Sprachen macht den Schulalltag schwer, auch im Sozialverhalten. Es dauert einfach alles länger, manches kann man gar nicht aufdröseln, es geht nichts einfach mal schnell mit Ansage. Elternbrief funktioniert nicht.“

Schulleiter Engin Çatik (39)

Schulleiter Engin Çatik (39)

Foto: ZDF

Hauptursache, so die Rektorin: „Das Stadtviertel hat einen hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Man lebt dort sehr in der Großfamilie. Die Eltern sagen ganz offen: Auch wenn ich arbeiten gehe, ich brauche Deutsch nicht unbedingt. Man kommt in diesem Viertel auch ohne deutsche Sprache durch.“

Elternrätin Katja Rininsland aus Frankfurt: „Auf dem Schulhof muss Deutsch gesprochen werden, da hält sich aber auch keiner dran, weil es gar nicht mehr umsetzbar ist.“

Elternrätin Katja Rininsland

Elternrätin Katja Rininsland

Foto: ZDF

Lanz über die Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz (69, CDU) wegen seiner „kleinen Paschas“: „Man hat den Respekt vor der Lehrerin nicht, man hat keinen Respekt vor Frauen ganz prinzipiell, man hat ein bestimmtes Frauenbild im Kopf. Das ist das, was er meinte. Da gab es einen großem Aufschrei.“

Çatik, Vater von drei Söhnen: „Aber das gibt es! Auch das gibt es selbstverständlich. Die Paschas gibt es. Die toxische Männlichkeit gibt es.“

Lanz über die umstrittene Wortwahl des Kanzlers: „Das habe ich damals auch gesagt. Wenn man das anders ausdrückt, ist man eigentlich raus. Aber dann streiten wir über den Begriff, statt mal ernsthaft darüber zu reden, was eigentlich das Problem dahinter ist.“

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