Top-Professor verrät: So werden unsere Jobcenter endlich effektiver | Politik

29.06.2025 - Pazar 07:49

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Berlin – Vorbild Dänemark? Unser nördlicher Nachbar hat die Jobcenter einer Radikalkur unterzogen. Ziel: mehr Effektivität! In BILD erklärt ein Top-Experte, was die Skandinavier besser machen als wir.

Zuschuss für den Autokauf, teure Fortbildungen: Die Kritik an Deutschlands Jobcentern ebbt nicht ab! Wahr ist aber auch: Viele dieser Vergünstigungen sind eine Folge davon, wie der deutsche Sozialstaat strukturiert ist. Am Rande der staatlichen Einrichtungen hat sich ein Förderdschungel entwickelt, von dem viele profitieren. Oft aber nicht der Steuerzahler.

Im Detail sieht das dann so aus:

▶︎ Arbeitslose erhalten von der Bundesagentur für Arbeit (BA) Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine (AVGS). Damit können sie diverse Kurse zur Aus- oder Weiterbildung absolvieren – finanziert aus staatlichen Mitteln. Einzige Voraussetzung: die anerkannte „Notwendigkeit der beruflichen Weiterbildung“.

▶︎ Private Bildungsträger dürfen solche Fortbildungen anbieten, wenn sie von der BA entsprechend dafür zugelassen werden. Voraussetzung ist eine sogenannte „AZAV-Akkreditierung“.

Aber: Oft ist fraglich, ob wirklich alle dieser Kurse die Jobsuche am Ende tatsächlich erleichtern! So ist die Liste der angebotenen Kurse schier endlos, mit dabei ist zum Beispiel auch ein „Migrationscoaching“, also ein Kurs, der sich ausschließlich an Flüchtlinge und deren „Herausforderungen“ richtet (angeboten von einer Berliner Firma).

Auch vollständig förderfähig ist etwa ein „High Profiling Coaching“ von einem Anbieter in Bayern. Dabei handelt es sich um ein Bewerbungscoaching „für Führungskräfte“. Kostenpunkt: 3170 Euro.

„Jobsuche funktioniert nicht wie ein Markt“

Umstritten dabei: Die deutschen Jobcenter setzen auf private Arbeitsvermittler. „Diese Unternehmen konzentrieren sich in der Regel nur auf Arbeitslose, die schnell vermittelbar sind – insbesondere dann, wenn ein Bonussystem besteht“, sagt Wirtschaftsprofessor Claus Thustrup Kreiner (55) von der Uni Kopenhagen zu BILD.

Und: Die Firmen werden nicht nach Erfolg, sondern Dauer der Dienstleistung bezahlt – und so „akzeptieren sie es, wenn Menschen Kurse einfach passiv besuchen“.

Claus Thustrup Kreiner (55) sieht die dänischen Jobcenter für die Zukunft gerüstet

Claus Thustrup Kreiner (55) sieht die dänischen Jobcenter für die Zukunft gerüstet

Foto: privat

Im Klartext: beides nicht im Sinne der Steuerzahler! In seinem Heimatland hat der Ökonom hocherfolgreich eine Sonderkommission angeführt, um die strukturellen Probleme dänischer Jobcenter zu beseitigen. Einige der Vorschläge wurden vom Staat übernommen.

Die zentrale Botschaft des Experten: Die Vermittlung von Arbeitslosen gehört in die Hand der Jobcenter – ohne private Vermittler, die in Konkurrenz zueinander ihren Gewinn maximieren wollen. „Die Jobsuche funktioniert nicht wie ein Markt“, sagt Kreiner. Der Wettbewerb zwischen Anbietern bringe hier keinen Nutzen. Nur wenn alles aus einer Hand organisiert wird, können Leistungen verglichen und gezielt verbessert werden.

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