Trend-Umkehr?: In drei Ländern gehen mehr Asyl-Bewerber raus als rein | Politik
14.07.2025 - Pazartesi 09:25
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Jahrelang übertrafen die Einreisen mit Asylantrag die freiwilligen Ausreisen und Abschiebungen. Jetzt ergab eine Umfrage von BILD: Immer mehr Bundesländer registrieren einen umgekehrten Trend!
► Am deutlichsten zeichnet sich eine mögliche Trendwende in Berlin ab. In der Hauptstadt gab es von Januar bis Mai 7.190 freiwillige Ausreisen und 685 Abschiebungen. Macht insgesamt 7.875 Abgänge.
Im selben Zeitraum wurden 4.279 Asylanträge gezählt. Heißt: Es fahren fast doppelt so viele raus wie rein.
► Eine ähnliche Entwicklung meldete zuletzt bereits Bayern. Hier haben bis Mai mit 1.519 Zurückweisungen und 6.261 freiwilligen Ausreisen in Summe 7.780 Migranten die Bundesrepublik verlassen. Demgegenüber standen 5.845 Asylanträge.
Für Innenminister Joachim Herrmann (68, CSU) bereits ein Beleg, dass die Maßnahmen der Bundesregierung greifen. „Die Grenzkontrollen zeigen ihre Wirkung, ebenso die Einführung der Bezahlkarte“, so Herrmann zu BILD.
Baden-Württembergs Migrationsministerin Marion Gentges (53, CDU) spricht bereits von „Asylwende“
► Inzwischen verkündet auch Baden-Württembergs Migrations-Ministerin Marion Gentges (53, CDU) gegenüber BILD: „Die Asylwende ist eingeleitet.“
Begründung: Im Juni seien im Ländle 260 Personen abgeschoben worden. Addiert mit dem jüngsten Durchschnittswert der freiwilligen Ausreisen (monatlich 280 im 1. Quartal), dürfte es im Juni etwa 540 Ausreisen gegeben haben. Gleichzeit sei im Juni ein „Tiefststand“ von nur noch 527 Asylanträgen erreicht worden.
| Bundesland | Abschiebungen und freiwillige Ausreisen Januar bis Mai 2025 |
Asyl-Anträge Januar bis Mai 2025 |
|---|---|---|
| Berlin | 7.875 | 4.279 |
| Bayern | 7.780 | 5.845 |
| Baden-Württemberg | ca. 3.200 | 5.769 |
| Sachsen | 1.197 | 3.317 |
| Sachsen-Anhalt | Zahlen liegen nicht vor | 1.357 |
| Thüringen | 399 | 1.843 |
| Hamburg | 805 | 1.775 |
| Bremen | 48 Abschiebungen | 582 |
| Rheinland-Pfalz | 862 | 2.366 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 359 | 1.078 |
| Saarland | 236 | 700 (bis Juni) |
| Hessen | 2.073 | 3.653 |
| Brandenburg | 497 | 1.689 |
| Niedersachsen | 1.482 | 5.931 |
| Nordrhein-Westfalen | 3.295 | 10.423 |
| Schleswig-Holstein | Anfrage unbeantwortet | Anfrage unbeantwortet |
► Im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei wurden bis Mai 10.131 Personen abgeschoben und 447 Personen zurückgeschoben. Dazu gingen 14.549 Personen freiwillig. Macht insgesamt 25.127 Ausreisen und damit mehr als das Vierfache im Vergleich zu den Asylgesuchen (5.937).
► Auch der Blick nach Sachsen zeigt, wie der Abstand zwischen Zu- und Abwanderung schrumpft. Hier wurde zwar das Abschiebe-Tempo von Januar bis Mai 2025 (428 Rückführungen) im Vergleich zum gleichen Stichtag des Vorjahres (408 Abschiebungen) nur leicht erhöht.
Die Zahl der freiwilligen Ausreisen hat sich von 350 auf 789 mehr als verdoppelt, während die Zahl der Asylanträge von 5.640 auf 3.317 abstürzte.
► Sachsen-Anhalt zählte im Juni 2025 nur noch 170 Asylanträge. 57 Prozent weniger als im Vorjahresmonat (399)!
„Wichtiges Signal für Entlastung der Kommunen“
Innenministerin Tamara Zieschang (54, CDU) zu BILD: „Diese Entwicklung ist besonders für die Kommunen ein wichtiges Signal und führt zu einer Entlastung bei der Unterbringung und Versorgung.“
Zieschang fordert jedoch weitere Maßnahmen. Dazu zähle, „dass wenig aussichtsreiche Asylverfahren zukünftig bereits an den EU-Außengrenzen durchgeführt werden.“
► Im Rest der Republik ist von einer echten Umkehr zumindest statistisch wenig zu sehen.
Flüchtlingszahlen sinken in ganz Europa
In den meisten Bundesländern ging die Zahl der Asylanträge bis Mai im Vergleich zum Vorjahr zwar deutlich zurück – allein in Mecklenburg-Vorpommern um 90 Prozent. Dennoch lag die Zahl der Einreisen immer noch zwei-, drei- oder sogar viermal höher.
Ein direkter Zusammenhang zwischen der Verschärfung des Asylrechts und einer bundesweiten Trendwende lässt sich also bisher kaum belegen.
Fakt ist: Im Mai ordnete Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (55, CSU) intensivere Grenzkontrollen an. Außerdem hat der Bundestag entschieden, den Familiennachzug zu Geflüchteten mit eingeschränktem Schutzstatus für zwei Jahre zu stoppen. Auch die umstrittene Turbo-Einbürgerung soll abgeschafft werden. Immer mehr Herkunftsstaaten gelten als sicher.
Folge: Die Zahl der Erstanträge in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2025 auf 61.300 gesunken – ein Rückgang um fast genau die Hälfte zum Vorjahreszeitraum (121.426). Damit ist Deutschland nicht mehr Asyl-Land Nummer eins.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Flüchtlingszahlen in ganz Europa einbrechen. Laut EU stellten zwischen Anfang Januar und Juni insgesamt 388.299 Menschen in den Ländern der Europäischen Union plus Norwegen und der Schweiz einen Asylantrag. Das entspricht einem Rückgang um 23 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024.
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