Warum steckt die Auto-Branche so tief in der Krise? | Politik

29.09.2025 - Pazartesi 06:25

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Berlin – 13.000 Jobs bei Bosch sind weg, mehr als 100.000 wurden innerhalb eines Jahres in der deutschen Industrie gestrichen. Fast wöchentlich kommt eine neue Schock-Nachricht.

Wie kommt es dass sich die Lage jetzt so zuspitzt? Welche Rolle spielen Verbrenner-Aus, China-Konkurrenz, Energiepreise, Trump-Zölle, Nachfrage-Flaute?

Die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm (54, TU Nürnberg) sagte zu BILD: „Die Krise der Automobilindustrie ist teilweise selbstgemacht, teilweise entsteht sie aber auch durch den Druck von außen.“

China-Konkurrenz

Chinesische und andere ausländische Hersteller drängen auf den Markt und sind technologisch mittlerweile mindestens auf Augenhöhe – oder sogar enteilt. „Im Bereich der Digitalisierung dürften sie überlegen sein“, so Grimm.

► Ökonom Prof. Jens Südekum (50, Universität Düsseldorf), persönlicher Berater von Finanzminister Lars Klingbeil, sagte zu BILD, die deutsche Autoindustrie befinde sich gerade „in einem perfekten Sturm“. China hat gigantische Produktionskapazitäten aufgebaut und flutet die Weltmärkte mit günstigen Autos: „Unter diesem Wettbewerbsdruck droht die deutsche Autoindustrie zu zerbrechen.“

Viele Auto-Konzerne würden momentan einen Teil dieses Drucks an die heimischen Zulieferer abgeben – Massenentlassungen bei Bosch und anderen seien die Folge.

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Quelle: BILD

Verbrenner-Aus

Im Jahr 2035 sollen die Flottengrenzwerte in der EU auf Null sinken, was einem faktischen Aus für neue Pkw mit Verbrenner-Motoren gleichkommt.

Grimm kritisiert „eine sehr einseitige und nicht technologieoffene Regulierung“, die der Industrie zusetzt. „Noch immer gibt es diejenigen, die der vollständigen Elektrifizierung des Verkehrs das Wort reden“, so Grimm. Hersteller in anderen Ländern seien längst mehrgleisig unterwegs, „das sollte die EU auch zulassen“.

Sie wollen die Industrie retten: Bayern-MP Markus Söder (58, CSU), BMW-CEO Oliver Zipse (61), Kanzler Friedrich Merz (69, CDU), VDA-Präsidentin Hildegard Müller (58), Mercedes-Benz CEO Ola Källenius (56) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (52, CDU) auf der Automesse IAA in München

Sie wollen die Industrie retten: Bayern-MP Markus Söder (58, CSU, v.l.), BMW-CEO Oliver Zipse (61), Kanzler Friedrich Merz (69, CDU), VDA-Präsidentin Hildegard Müller (58), Mercedes-Benz-CEO Ola Källenius (56) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (52, CDU) auf der Automesse IAA in München

Foto: Angelika Warmuth/REUTERS

Es sei zwar wichtig, die CO2-Emissionen zu reduzieren. „Dabei sollte nicht die Politik festlegen, auf welchem Technologiepfad das umgesetzt wird“, warnt die Wirtschaftsweise.

Wichtige Entscheidungen gelte es bei den Infrastrukturen zu treffen. Hier brauche es für E-Autos eine Tankstelleninfrastruktur.

Trumps Zölle

Die europäischen Exporte in die Vereinigten Staaten haben in den vergangenen Monaten einen heftigen Rückschlag erlitten. Nach UN-Daten importierten die USA im Juli 2025 Waren im Wert von 53,7 Milliarden US-Dollar (46,6 Milliarden Euro) aus der Europäischen Union. Das sind 10 % weniger als im Juli des Vorjahres.

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Foto: IMAGO/Berlinfoto

► Die größten Rückgänge gab es in wichtigen europäischen Exportsektoren wie Pharma und Fahrzeuge. Am 2. April – von der US-Regierung als „Liberation Day (Befreiungstag)“ bezeichnet – verhängte Präsident Trump 20 % Zölle auf alle EU-Importe, sogar 27,5 % auf Autos.

Immerhin: Seit 1. August gilt der reduzierte Auto-Zoll von 15 Prozent.

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Quelle: BILD

Nachfrage-Flaute

Laut Bosch ist die „Stagnation der weltweiten Automobilproduktion, und ein Rückgang in Europa“ schuld an der schlechten Auftragslage, dazu bietet die E-Mobilität insgesamt weniger Geschäft: Stefan Grosch, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH, sagte zu BILD, „auf 10 Mitarbeiter, die im Bereich Diesel arbeiten, entfallen 3 auf Benziner-Motoren, aber nur einer auf E-Autos“.

Was müssen Wirtschaft und Politik tun?

▶︎ Laut der Wirtschaftsweisen Grimm braucht es umfangreiche Reformen der sozialen Sicherungssysteme und Abbau von Regulierung. Grimm warnt, „die alte bekannte Welt“ werde in Zukunft so nicht bestehen bleiben: „Die Politik sollte die Grundlagen legen, damit wir auf das, was kommt, gut vorbereitet sind.“

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Quelle: BILD

▶︎ Laut Klingbeil-Berater Südekum muss sich Europa „endlich industriepolitisch zur Wehr setzen“, unter anderem mit so genannten „Local Content“-Klauseln. Sprich: Wenn es Kaufprämien für Elektroautos geben sollte, dann nur, wenn sie auch in Europa gefertigt wurden. „Sonst landet unser Steuergeld in Peking“, so Südekum

Außerdem müsse die EU ernst machen mit dem Hochlauf der Elektromobilität in ganz Europa, „sonst ist die Autoindustrie über kurz oder lang erledigt“. Europa braucht eine „Offensive zum Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur“, sagte Südekum.

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