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Egal, wie das Wetter am Wochenende wird: Beim FDP-Landesparteitag in Merseburg (Sachsen-Anhalt) wird es ziemlich heiß. Auf Antrag des Kreisverbandes Harz (100 Mitglieder) reden die Delegierten über Baden oben ohne.
„Oben ohne – Baden und Schwimmen für alle Geschlechter ermöglichen“ lautet der Titel des Antrags mit der Nummer A019.
Darin wird gefordert: „Die Landtagsfraktion soll sich innerhalb der Landesregierung dafür einsetzen, dass eine Regelung für ein geschlechterunspezifisches oberkörperfreies Baden und Schwimmen erlassen wird.“
Im Antrag beklagt der FDP-Kreisverband Harz, dass es Frauen im aufgeklärten 21. Jahrhundert mitten in Europa und damit auch in Sachsen-Anhalt einem großen Teil der Frei- und Hallenbäder sowie an vielen Badeseen nicht möglich sei, „ihre nackte Brust zu zeigen“. Eine Einschränkung, die für Männer nicht gilt.
„Chancen liegen bei 50 Prozent“
Zumindest dort, wo Kommunen Eigentümer oder beteiligt sind, soll diese „unzulässige Diskriminierung von Frauen und nicht binären Menschen“ bald der Vergangenheit angehören.
„Die Chancen, dass der Antrag angenommen wird, liegen bei 50 Prozent“, sagt Kreisverbandschef Steffen Mente (52). „Sicherlich werden das nicht alle Delegierten sehen wie wir.“
Oben mit und oben ohne – für den FDP-Kreisverband Harz ein Verstoß gegen die Gleichberechtigung
Die nächste Hürde muss danach im Magdeburger Landtag genommen werden. Dort brauchen die Liberalen die Zustimmung ihrer Koalitionspartner CDU und SPD.
„Dachte an einen verspäteten Aprilscherz“
„Ich dachte zunächst, das sei ein verspäteter Aprilscherz“, sagt Rüdiger Erben (56), parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. „Ich kann ausschließen, dass wir das unterstützen. Ich halte die FDP aber für so klug, dass sie einen derartigen Quatsch nicht beschließt.“
Auch CDU-Kollege Markus Kurze (53) zeigt sich skeptisch: „Wenn sichergestellt ist, dass wir in Schwimmbädern nicht Berliner Verhältnisse bekommen, ja. Ist das realistisch? Wohl eher nein.“
Opposition spottet über Antrag
Von der Opposition kommt nur Spott. „Mehr Gleichstellung ist wirklich nötig. Aber warum geht die @FDP_LSA nicht die wirklich wichtigen Bereiche zuerst an?“, fragt Cornelia Lüddemann (55, Grüne) auf X/Twitter. Und lässt Vorschläge folgen: Führungspositionen, gleiche Bezahlung …
Eva von Angern (47, Linke) schreibt: „Können wir bitte über eine paritätische Besetzung von Parlamenten reden, statt über mehr #ObenOhne? Dann können die Frauen ihre Rechte selbst geltend machen.“
FDP-Kreischef Steffen Mente lässt sich davon nicht entmutigen. „Auch oben ohne ist wichtig für die Gleichberechtigung. Außerdem ist es besser, mit kleinen Dingen anzufangen.“
Sollte der Antrag am Sonnabend abgelehnt werden, bleibt der Kreisverband dran. „Dann bringen wir es im Harz in Kommunalparlamente ein, in denen wir vertreten sind.“
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