„Keiner weiß, was die machen“: Wut-Weselsky knöpft sich die Bahn-Bosse vor | Politik

07.08.2024 - Çarşamba 12:53

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Jetzt bläst GDL-Gewerkschaftschef Claus Weselsky (65) zum Generalangriff auf die Bahn-Bosse. Der Lokführer und Gewerkschafter ist berüchtigt wegen immer wieder knallhart durchgezogener wochenlanger Streiks, teilt jetzt noch mal heftig aus.

Grund: geplanter Abbau von 30 000 Stellen, wie vom Bahn-Vorstand angekündigt, angeblich zunächst in der Verwaltung. Dem widerspricht Weselsky. Ihm zufolge besonders betroffen sei der „operative Bereich“, wie er der „Süddeutschen“ sagte. Heißt: das Personal in und an den Zügen.

Mit verheerenden Folgen, so Weselsky: „Sie müssen einfach selbst Bahn fahren. Unsere Führungskräfte fahren große Dienst-Autos. Die sitzen nicht in den Zügen. Die kennen die Malaise nicht“, wetterte der GDL-Boss am Mittwoch im „Deutschlandfunk“: „3500 oberste Führungskräfte, die Kohle abfassen – und keiner weiß, was die machen.“

Ein heftiger Vorwurf. Doch für Deutschlands obersten Lokführer ist das Bahnfahren längst „eine Qual“ und etwas, wofür seine Kollegen und er „sich schämen“ müssten.

„Warmes Bier und kalter Kaffee“ im Speisewagen

Weselsky zählt auf: „Da findest du Speisewagen, wo über drei, vier Monate die Kühlung ausgefallen ist.“ Es gebe „warmes Bier und kalten Kaffee“. Die Bahn-Mitarbeiter müssten aber dennoch Umsatz machen, die Produkte „an die Leute bringen“.

Der Gewerkschafter: „Obwohl die darüber sitzenden Führungskräfte unfähig sind, Reparaturen zu organisieren, beziehungsweise: Manchmal ist es sogar nur: das Material an den entsprechenden Bahnhof liefern.“ Es fehle an Nachschub, wenn Getränke ausgegangen sind.

Warmes Bier, kalter Kaffee, kein Nachschub. Und verantwortlich? Die Servicemitarbeiter und Lokführer treffe keine Schuld. Sondern: „Die darüber sitzenden Führungskräfte. Und das geht bis in die Spitze der Bahn“.

„Steuergelder abfassen und verbraten“

Der GDL-Chef erklärt das System Bahn: Verantwortung werde einfach „nach oben delegiert“. „Da findet eine Kultur statt, die nichts anderes mehr beinhaltet, als die Beschwerden entgegennehmen, sie weitertransportieren – aber keiner schafft Abhilfe.“ Das Management sei „unbelehrbar“.

Weselsky knallhart: „Das Management ist darauf trainiert, auf zwei Dinge: Erstens: Regelmäßig Steuergelder abfassen und sie verbraten, ohne die Eisenbahn zu verbessern. Und zweitens: Mit einem ausgeklügelten Programm die Menschen zu belügen.“

„Sparhansel und Erbsenzähler“

Auch beschäftige die Bahn zusehends schnell angelernte Billigkräfte statt ausgebildete Betriebs-Eisenbahner. Für Weselsky „Fahrgäste in Uniform“, die an den Zuständen aber keine Schuld trügen. „Das sind die ganzen Sparhanseln, die Erbsenzähler, die seit Jahrzehnten das System kaputtmachen.“

Dagegen wettern Bahn-Mitarbeiter inzwischen in internen Chats und Foren, wie die „Süddeutsche“ berichtet. „Die Leute opponieren unterschiedlich“, sagte Weselsky dem Blatt. „Ich stelle fest: Aus passivem Widerstand wird gerade aktiver Widerstand.“

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